Tazlito-Handbuch

NAME

Tazlito — SliTaz Live Tool.

SYNTAX

tazlito [command] [list|iso|flavor] [dir]

BESCHREIBUNG

Tazlito ist ein kleines Programm zum Extrahieren eines Direktstart-ISO-Abbildes, Neuerstellen des ISO-Abbildes und regenerieren des Wurzel-Dateisystems eines Direktstart-ISO-Abbildes. Mit Tazlito kann auch anhand einer Liste vorher transferierter Pakete eine Distribution erzeugt werden. Tazlito liest die Konfigurationsdatei /etc/tazlito/tazlito.conf oder eine (leicht zu erstellende) eigene Konfigurationsdatei tazlito.conf im Arbeitsverzeichnis. Darin werden der Name des ISO-Abbildes, der Kennsatz für das ISO-Abbild, der Name des Betreuers und die Pfade der Paketdateien und des zu erzeugenden ISO-Abbildes festgelegt. Tazlito kann auch zusätzliche Dateien aus einem Verzeichnis in das ISO-Abbild übernehmen.

Tazlito wird unter der freien GNU-Lizenz GPL v.3 verbreitet und ist standardmäßig auf SliTaz installiert. Ebenso wurde es erfolgreich auf Debian GNU/Linux getestet. Weitere Informationen finden Sie im Handbuch.

KOMMANDOS

usage

Mit dem Kommando usage wird eine Übersicht der verfügbaren Kommandos mitsamt einer Kurzbeschreibung ausgegeben:

# tazlito usage

stats

Mit dem Kommando stats werden die Konfigurationsvariablen, die Pfade verschiedener Dateien und Verzeichnisse sowie Informationen über das ISO-Abbild ausgegeben:

# tazlito stats

gen-config

Mit dem Kommando gen-config wird eine Konfigurationsdatei erstellt, die dann modifiziert werden kann. Standardmäßig wird diese Datei im Arbeitsverzeichnis erstellt, es kann aber auch ein anderes Verzeichnis angegeben werden:

# tazlito gen-config
# tazlito gen-config /path/to/distro

configure

Mit dem Kommando configure kann die globale Konfigurationsdatei oder eine Konfigurationsdatei im Arbeitsverzeichnis modifiziert werden:

# tazlito configure

gen-iso

Mit dem Kommando gen-iso kann ein neues Direkstart-ISO-Abbild unter Berücksichtigung von Änderungen und zusätzlichen Dateien für das Wurzel-Dateisystem erzeugt werden. Damit dies funktioniert, muss der Verzeichnisbaum eines Direkstartsystems zugreifbar sein. Dieser Verzeichnisbaum kann leicht mit dem Kommando extract-distro erstellt werden. Nach Änderungen darin wird ein neues ISO-Abbild erzeugt mit:

# tazlito gen-iso

gen-initiso

Mit dem Kommando gen-initiso wird dasselbe erreicht wie mit gen-iso, nur dass zunächst initramfs neu erstellt wird. initramfs enthält das Wurzel-Dateisystem und muss nach jeder Änderung neu erstellt werden:

# tazlito gen-initiso

list-flavors

Mit dem Kommando list-flavors wird eine Liste verfügbarer Varianten (falls erforderlich) transferiert und angezeigt. Mit der Option --recharge wird die Liste in jedem Fall transferiert:

# tazlito list-flavors
# tazlito list-flavors --recharge

get-flavor

Mit dem Kommando get-flavor werden die Dateien zum Erstellen einer Variante mit gen-distro (falls erforderlich) transferiert und vorbereitet:

# tazlito get-flavor particular-flavor

show-flavor

Mit dem Kommando show-flavor wird die Beschreibung einer Variante und deren Größe nach Neuerstellung angezeigt. Mit den Optionen --brief und --noheader wird der Umfang der Ausgabe reduziert:

# tazlito show-flavor particular-flavor
# tazlito show-flavor particular-flavor --brief
# tazlito show-flavor particular-flavor --brief --noheader

gen-flavor

Mit dem Kommando gen-flavor wird eine Datei mit der Beschreibung einer neuen Variante aus den Ergebnissen der Erzeugung einer Distribution (mit gen-distro) erstellt. Die Datei .flavor kann dann an slitaz.org gesendet werden:

# tazlito gen-flavor new-flavor

gen-liveflavor

Mit dem Kommando gen-liveflavor wird eine Datei mit der Beschreibung einer neuen Variante aus den Ergebnissen der Erzeugung einer Distribution basierend auf dem laufenden System erstellt. Die Option --help liefert weitere Informationen:

# tazlito gen-liveflavor
# tazlito gen-liveflavor --help

upgrade-flavor

Mit dem Kommando upgrade-flavor aktualisiert eine Datei .flavor, indem in die Paketliste die neuesten verfügbaren Versionen eingetragen werden:

# tazlito upgrade-flavor this-flavor

extract-flavor

Mit dem Kommando extract-flavor wird eine Variante in eine leicht zu modifizierende Baumstruktur in /home/slitaz/VERSION/flavors konvertiert, die mit mercurial verwaltet werden kann: http://hg.slitaz.org/flavors. Für z.B. cooking wird das Arbeitsverzeichnis in /home/slitaz/cooking sein.

# tazlito extract-flavor this-flavor

pack-flavor

Mit dem Kommando pack-flavor wird eine Baumstruktur aus /home/slitaz/VERSION/flavors in eine Datei .flavor konvertiert. Dies ist die umgekehrte Funktion von tazlito extract-flavor:

# tazlito pack-flavor this-flavor

extract-distro

Mit dem Kommando extract-distro werden Dateien aus einem ISO-Abbild für einen Direktstart-Datenträger extrahiert, um die Wurzelverzeichnisse des optischen Datenträgers und des Systems zu erzeugen. Darin können dann die gewünschten Änderungen oder Erweiterungen vorgenommen werden und das ISO-Abbild mit gen-iso oder gen-initiso neu erstellt werden. Beispiel:

# tazlito extract-distro slitaz-cooking.iso

gen-distro

Mit dem Kommando gen-distro kann der Verzeichnisbaum einer Distribution und ein ISO-Abbild gemäß einer Paketliste erzeugt werden. Hierzu wird eine Paketliste, ein Verzeichnis, das alle Pakete (.tazpkg) aus der Liste enthält und ein Verzeichnis für die Erstellung der Distribution benötigt. Die Paketliste kann aus der Variante mit dem Kommando get-flavor extrahiert werden. Wenn ein optischer Datenträger mit einem Direktstartsystem verwendet wird, ermöglichen die Optionen --cdrom und --iso= die Wiederherstellung von Paketen, die Dateien im Verzeichnis /boot ablegen, ohne dass diese von einem Depot transferiert werden müssen und stellt die zusätzlichen Dateien des optischen Datenträgers wieder her. Die Pfade der verschiedenen Verzeichnisse sind in der Konfigurationsdatei festgelegt und Pakete können von SliTaz-Depots transferiert werden oder mit Cookutils erstellt werden. Eine Distribution erzeugen:

# tazlito gen-distro
# tazlito gen-distro --cdrom
# tazlito gen-distro --iso=slitaz.iso
# tazlito gen-distro package-list

clean-distro

Mit dem Kommando clean-distro werden alle erzeugten und aus dem ISO-Abbild extrahierten Dateien gelöscht:

# tazlito clean-distro

check-distro

Mit dem Kommando check-distro wird geprüft, ob mit den Paketen installierte Dateien vorhanden sind:

# tazlito check-distro

writeiso

Mit dem Kommando writeiso wird das aktuelle Dateisystem in ein cpio-Archiv (rootfs.gz) gepackt und anschließend ein urladefähiges ISO-Abbild erzeugt. Writeiso kann sowohl in einem auf Platte installierten SliTaz als auch in einem Direktstartsystem verwendet werden. Auch das aktuelle Verzeichnis /home wird in das Archiv übernommen. Damit ist es auf einfache Weise möglich, ein eigenes, angepasstes ISO-Abbild für optische Datenträger zu erstellen. Einfach ein SliTaz-System laden, irgendwelche Dateien ändern und dann:

# tazlito writeiso [gzip|lzma|none]
# tazlito writeiso gzip
# tazlito writeiso gzip image-name

check-list

Mit dem Kommando check-list wird geprüft, ob die Datei distro-packages.list die aktuellen Paketversionen enthält:

# tazlito check-list

repack

Mit dem Kommando repack wird das Wurzel-Dateisystem (rootfs) mit der höchstmöglichen Kompressionsrate neu komprimiert:

# tazlito repack slitaz.iso

merge

Mit dem Kommando merge werden verschiedene Varianten wie russische Puppen verschachtelt. Jedes Wurzel-Dateisystem ist eine Teilmenge des vorherigen. Das erste Wurzel-Dateisystem wird von dem ISO-Abbild im dritten Argument extrahiert. Dann wird in Abhängigkeit vom verfügbaren Arbeitsspeicher die entsprechende Variante zum Laden ausgewählt.:

# tazlito merge 160M slitaz-core.iso 96M rootfs-justx.gz 32M rootfs-base.gz

build-loram

Mit dem Kommando build-loram wird aus einem ISO-Abbild ein ISO-Abbild für Rechner mit kleinem Arbeitsspeicher erzeugt. Es kann eine Variante erzeugt werden, bei der das Dateisystem / sich stets im Arbeitsspeicher befindet oder wo es sich auf dem optischen Datenträger befindet:

# tazlito build-loram slitaz.iso loram.iso
# tazlito build-loram slitaz.iso loram-cdrom.iso cdrom

emu-iso

Mit dem Kommando emu-iso wird der Emulator Qemu zum Laden von SliTaz verwendet. Qemu kann verwendet werden, um ein neu erstelltes ISO-Abbild zu testen, ohne dass es auf optischen Datenträger geschrieben werden muss oder dass eine sparsame Installation vorgenommen werden muss:

# tazlito emu-iso
# tazlito emu-iso path/to/image.iso

burn-iso

Mit dem Kommando burn-iso wird ein optisches Laufwerk ermittelt und seine Geschwindigkeit festgestellt. Dann wird mit wodim (Bestandteil von cdrkit) das ISO-Abbild auf einen optischen Datenträger geschrieben. Das Standard-ISO-Abbild ist das aus der aktuellen Konfigurationsdatei, aber es kann auch ein anderes angegeben werden:

# tazlito burn-iso
# tazlito burn-iso slitaz-hacked.iso

VARIANTEN

Eine Datei .flavor enthält lediglich einige wenige KB Informationen, die zum (Wieder-)Erstellen eines angepassten SliTaz-Direkstart-ISO-Abbildes für optischen Datenträger benötigt werden.

Eine Variante erstellen

Aus den vorhandenen Varianten kann eine zum (Wieder-)Erstellen ausgewählt werden:

# tazlito list-flavors

List of flavors
================================================================================
Name              ISO   Rootfs  Description
================================================================================
base               6.9M  13.1M  Minimal set of packages to boot
core-3in1         31.5M 105.6M  SliTaz core system with justX and base alternatives
core              31.5M 104.6M  SliTaz core system
eeepc             31.2M 105.4M  SliTaz eeepc system
justX             16.1M  51.2M  SliTaz with a minimal X environment

Wir beginnen mit der (Wieder-)Erstellung der Variante eeepc, die 105,4 MB Arbeitsspeicher benötigt und auf dem Datenträger 31,2 MB belegt:

# tazlito clean-distro
# tazlito get-flavor eeepc
# tazlito gen-distro

Eine Variante erzeugen

Um eine Variante zu erzeugen, muss:

Eine Variante veröffentlichen

Da eine Datei .flavor nur einige wenige KB groß ist, kann sie einfach über die "mailing list" verbreitet werden.

Die Ergebnisse von tazlito extract-flavor können auch in das "mercurial repository" transferiert werden. Dieses Verfahren ist vorzuziehen, da der Baum direkt im "mercurial web interface" sichtbar wird.

Dieser Baum enthält:

Eine Variante anpassen

Es ist meist einfacher, eine vorhandene Variante zu modifizieren als eine Variante von Grund auf neu zu erstellen. Im folgenden Beispiel wird die Variante eeepc angepasst:

# tazpkg get-install mercurial
# cd /home/slitaz
# hg clone http://hg.slitaz.org/flavors
# cd flavors
# cp -a eeepc myslitaz

Dann können Dateien im Verzeichnis myslitaz geändert werden und mit

# tazlito pack-flavor myslitaz

wird eine neue Variante erzeugt.

Tipp: Die Installation von mercurial wie im vorherigen Beispiel ist nicht erforderlich. Es genügen die Kommandos:

# tazlito get-flavor eeepc
# tazlito extract-flavor eeepc.flavor
# cd /home/slitaz/flavors
# cp -a eeepc myslitaz

Meta-Variante

Eine Meta-Variante enthält mehrere verschachtelte Varianten, wie russische Puppen. Es wird die Variante geladen, für die genügend Arbeitsspeicher vorhanden ist. Die Variable ROOTFS_SELECTION legt die Mindestgrößen an Arbeitsspeicher für die entsprechenden Varianten fest, Beispiel:

ROOTFS_SELECTION="160M core 96M justX 32M base"

Eine Meta-Variante enthält keine Paketliste (packages.list). Meta-Varianten werden von SliTaz-Kernen vor Version 2.6.30 nicht unterstützt.

BETREUER

Christophe Lincoln <pankso at slitaz.org>
Pascal Bellard <pascal.bellard at slitaz.org>