Tazinst-Handbuch

NAME

Tazinst — "Tiny autonomous zone installer manager"

SYNTAX

tazinst [command] <setting> <value> <file>

BESCHREIBUNG

Tazinst ist eine ressourcenschonende Installationsprozedur, die SliTaz auf einer Platte installiert. Das Installationsmedium kann ein lokaler Datenträger wie ein optischer Direktstart-Datentrager, ein USB-Direktstart-Datenträger oder ein ISO-Abbild auf einer Platte sein oder es kann durch Transferieren eines SliTaz-ISO-Abbilds über das Netzwerk installiert werden.

Tazinst kann die Zielpartition mit den Dateisystemformaten ext2, ext3 oder ext4 einrichten. Wenn gewünscht, kann das Verzeichnis /home in einer eigenen Partition mit einem der verfügbaren Dateisystemformate eingerichtet werden. Tazinst kann auch einen Urlader ("bootloader") auf der Ziel-Partition installieren. Auch eine Installation neben einer vorhandenen Windows™-Partition zum alternativen Laden ("dual boot") ist möglich, wobei die Windows™-Partition automatisch gefunden oder manuell spezifiziert werden kann.

Tazinst kann auch ein SliTaz aktualisieren, das in einer Partition einer Platte installiert ist; dies kann für einen Versionswechsel nützlich sein. In diesem Fall wird nur SliTaz aktualisiert, alle Dateien im Verzeichnis /home werden beibehalten. Zusätzlich installierte Pakete werden nach der SliTaz-Aktualisierung ebenfalls aktualisiert.

Tazinst wurde eigens für die Bedürfnisse der "SliTaz GNU/Linux mini"-Distribution entwickelt.

Tazinst wurde von Grund auf als Kommandoprozedur ("shell script") geschrieben und ist mit "Busybox Ash" und "Bash" kompatibel. Tazinst ist unter "GNU Free GPL v3" lizensiert.

Bekannte Einschränkungen

Mit Tazinst installierte SliTaz-Systeme können nicht mit (U)EFI (hauptsächlich auf Windows™ 8 Rechnern) geladen werden, es sei denn im BIOS-Kompatibilitätsmodus.

EINSTELLUNGEN

Das Tazinst-Installationsprogramm kann eine Installation automatisiert ausführen, wenn zuvor einige Einstellungen vorgenommen wurden.

mode

Der Installationsmodus in dem tazinst ablaufen soll. Mit tazinst help mode erhält man eine Liste der unterstützten Modi.

media

Das Medium, das die SliTaz-Quelldateien enthält, entweder cdrom (optischer SliTaz-Direktstart-Datenträger), usb (SliTaz-USB-Direktstart-Datenträger), iso (ISO-Abbild von SliTaz), or web (ISO-Abbild über Netzwerk).

source

Der Name der Quelldatei die SliTaz enthält, abhängig vom Typ von media:

cdrom: nicht verwendet
usb: Name der Partition auf dem Medium in dem USB-Gerät. Mit tazinst list usb erhält man eine Liste der Partitionen des Mediums in dem USB-Gerät.
iso: Name des ISO-Abbilds, z.B.: ~/slitaz-rolling.iso. Mit tazinst list iso erhält man eine Liste der ISO-Abbilder auf den Platten.
web: Name des ISO-Abbilds im Netzwerk, z.B.: stable, cooking, rolling, base, core, gtkonly, justx. Mit tazinst list web erhält man eine Liste der über das Netzwerk zugreifbaren ISO-Abbilder. Man kann auch den vollständigen URL des ISO-Abbilds angeben, z.B.: http://mirror.slitaz.org/iso/cooking/slitaz-cooking.iso.

root_uuid

Die Bezeichnung der Ziel-Partition, in der SliTaz installiert werden soll. Mit tazinst list uuid erhält man eine Liste der Partitionen auf den Platten.

root_format

Optional. Wenn angegeben, wird die Ziel-Partition mit dem spezifizierten Dateisystem formatiert, sonst werden alle Dateien der Partition gelöscht mit Ausnahme derer im Verzeichnis /home. Mit tazinst help format erhält man eine Liste aller unterstützten Dateisysteme. tazinst list root_format zeigt die bereits installierten Dateisysteme auf den Platten.

home_uuid

Optional. Damit kann das Verzeichnis /home in einer separaten Partition angelegt werden. Es ist die Bezeichnung der Partition anzugeben, die das Verzeichnis /home aufnehmen soll.

home_format

Optional. Damit wird bewirkt, dass die Partition, die das Verzeichnis /home aufnehmen soll, mit dem angegebenen Dateisystem formatiert wird.

hostname

Optional. Name ("hostname") des zu installierenden Systems; das ist slitaz, wenn nicht anders angegeben.

root_pwd

Optional. Kennwort des privilegierten Benutzers [root]; das ist root, wenn nicht anders angegeben.

user_login

Optional. Name eines ersten nichtprivilegierten Benutzers; das ist tux, wenn nicht anders angegeben.

user_pwd

Optional. Kennwort des ersten nichtprivilegierten Benutzers; das ist tux, wenn nicht anders angegeben.

bootloader

Optional. Es soll ein Urlader ("bootloader") installiert werden. Hier sollte auto angegeben werden, ausser wenn ein bereits (in einer anderen Partition) installierter Urlader verwendet werden soll, ein Urlader manuell oder ein bestimmter Urlader installiert werden soll. Mit tazinst help bootloader erhält man eine Liste der unterstützten Urlader.

winboot

Optional. Wenn ein Urlader ("bootloader") installiert wird, wird hiermit bestimmt, dass alternatives Laden von Windows™ ("dual boot") von einer anzugebenden Partition ermöglicht werden soll. Ist auto angegeben, wird die erste Partition ausgewählt, die ein ladefähiges Windows™ enthält. Mit tazinst list winboot kann man feststellen, welche Windows™-Partitionen tazinst automatisch findet.

KOMMANDOS

new

Es wird eine Datei mit Installations-Einstellungen nach den Anforderungen des Benutzers erstellt, die in sich dokumentiert ist und mithilfe derer tazinst eine automatisierte Installation durchführen kann. Der Standardname der Datei ist ./tazinst.rc; optional kann ein anderer Dateiname als Parameter angegeben werden.

Beispiele:
tazinst new
tazinst new /var/lib/tazinst.conf

set

Einer Einstellung wird ein neuer Wert zugewiesen.

Beispiele:
tazinst set mode install
tazinst set mode install /var/lib/tazinst.conf

unset

Der Wert einer Einstellung wird gelöscht.

Beispiele:
tazinst unset mode
tazinst unset mode /var/lib/tazinst.conf

get

Der Wert einer Einstellung wird angezeigt. Ohne Parameter wird der Wert aller Einstellungen angezeigt.

Beispiele:
tazinst get
tazinst get mode
tazinst get mode /var/lib/tazinst.conf

check

Eine Einstellung wird auf Fehler geprüft. Ohne Parameter werden alle Einstellungen geprüft.

Beispiele:
tazinst check
tazinst check mode
tazinst check mode /var/lib/tazinst.conf

list

Es werden die Betriebsmittel angezeigt. Betriebsmittel sind:

mode Verfügbare Installationsmodi
media Verfügbare Installationsmedien. Beispiel: cdrom wird an Rechnern ohne optische Laufwerke nicht angezeigt
usb Partitionen eines Mediums in einem USB-Laufwerk
iso ISO-Abbilder auf lokalen Laufwerken, im Verzeichnis /root und im Stammverzeichnis aller Benutzer und deren ersten Unterverzeichnissen
web Vordefinierte Namen von ISO-Abbildern zum impliziten Transferieren über das Internet
format Installierte Dateisystemformate
bootloader Verfügbare Urlader ("bootloader")
partition_table Partitionstabellen lokaler Platten
winboot Ladbare Windows™-Partitionen
Beispiele:
tazinst list
tazinst list media

execute

SliTaz wird nach den Angaben in der Installationsdatei auf Platte installiert. Dabei gehen alle Daten auf der Platte verloren, wenn Formatierung der Platte ausgewählt wurde. Andernfalls werden alle Dateien bis auf die im Verzeichnis /home gelöscht; das Verzeichnis /home bleibt dann unverändert erhalten.

Beispiele:
tazinst execute
tazinst execute /var/lib/tazinst.conf

clean

Es werden die Installations- und Protokoll-Dateien gelöscht.

Beispiele:
tazinst clean
tazinst clean /var/lib/tazinst.conf

log

Es wird der Inhalt der letzten Protokoll-Datei angezeigt und die Verarbeitung beendet.

Beispiel:
tazinst log

version

Es wird die Versionsinformation angezeigt und die Verarbeitung beendet.

Beispiel:
tazinst version

usage

Es wird eine kurze Anwendungshilfe angezeigt und die Verarbeitung beendet.

Beispiel:
tazinst usage

help

Es wird eine kurze Anwendungshilfe für eine Einstellung angezeigt und die Verarbeitung beendet. Ohne Parameter wird eine kurze Anwendungshilfe für alle Einstellungen angezeigt.

Beispiel:
tazinst help mode

BEISPIELE

Installation

Installation von SliTaz in einer Partition einer Platte. Die Wurzel-Partition wird nicht formatiert, alle Dateien ausser in einem vorhandenen Verzeichnis /home werden gelöscht; das Verzeichnis /home bleibt unverändert erhalten.

  1. Es soll eine neue Installationsdatei mit Standardnamen erzeugt werden:
    # tazinst new
  2. Der Modus wird auf install gesetzt:
    # tazinst set mode install
  3. Als Installationsmedium soll ein optischer Datenträger verwendet werden:
    # tazinst set media cdrom
  4. SliTaz soll in der Partition /dev/hda1 installiert werden:
    # tazinst set root_uuid /dev/hda1
  5. Es soll ein Urlader installiert werden:
    # tazinst set bootloader auto
  6. Die Installation wird gestartet:
    # tazinst execute

Komplexe Installation

Installation von SliTaz auf Platte, wobei das Verzeichnis /home in einer eigenen Partition angelegt werden soll und alternativ Windows™ von einer anderen Partition geladen werden können soll ("dual boot"). Die Partitionen für das Wurzeldateisystem und für das Verzeichnis /home werden beide formatiert, sodass alle dort vorhandenen Daten verloren gehen.

  1. Es soll eine neue Installationsdatei mit Standardnamen erzeugt werden:
    # tazinst new
  2. Der Modus wird auf install gesetzt:
    # tazinst set mode install
  3. Als Installationsmedium soll ein Direktstart-Datenträger in einem USB-Gerät verwendet werden:
    # tazinst set media usb
  4. Es soll die Partition 1 auf dem USB-Datenträger als Installationsquelle verwendet werden:
    # tazinst set source /dev/sda1
  5. SliTaz soll in der Partition /dev/hda1 installiert werden:
    # tazinst set root_uuid /dev/hda1
  6. Die Partition für das Wurzeldateisystem soll mit einem Dateisystem vom Typ ext4 formatiert werden:
    # tazinst set root_format ext4
  7. Das Verzeichnis /home soll in einer eigenen Partition /dev/hda2 angelegt werden:
    # tazinst set home_uuid /dev/hda2
  8. Die Partition für das Verzeichnis /home soll mit einem Dateisystem vom Typ ext2 formatiert werden:
    # tazinst set home_format ext2
  9. Es soll ein Urlader ("bootloader") installiert werden:
    # tazinst set bootloader auto
  10. Das alternative Laden von Windows™ ("dual boot") soll ermöglicht werden:
    # tazinst set winboot auto
  11. Die Installation wird gestartet:
    # tazinst execute
  12. Die Installations- und Protokoll-Dateien sollen gelöscht werden:
    # tazinst clean

Versionsaktualisierung

Aktualisierung eines auf Platte installierten SliTaz. Die Verzeichnisse /home, /etc und /var/www bleiben erhalten, alle anderen Verzeichnisse werden gelöscht. Wenn eine Internet-Verbindung besteht, werden auch alle zusätzlich zu SliTaz installierten Pakete aktualisiert.

  1. Es soll eine neue Installationsdatei mit Standardnamen erzeugt werden:
    # tazinst new
  2. Der Modus wird auf upgrade gesetzt:
    # tazinst set mode upgrade
  3. Als Installationsmedium soll das Netzwerk verwendet werden:
    # tazinst set media web
  4. Als Installationsquelle soll die freigegebene SliTaz-Version verwendet werden:
    # tazinst set source stable
  5. SliTaz in der Partition /dev/hda1 soll aktualisiert werden:
    # tazinst set root_uuid /dev/hda1
  6. Es soll ein Urlader ("bootloader") installiert werden:
    # tazinst set bootloader auto
  7. Die Installation wird gestartet:
    # tazinst execute

Tipps

  1. Abhängig vom gewählten Installationsmodus werden nicht alle Einstellungen benötigt. Mit
    # tazinst get
  2. kann festgestellt werden, welche Einstellungen bearbeitet werden müssen.

  3. Vor dem Starten der Installation können die Einstellungen geprüft werden mit:
    # tazinst check

DATEIEN

INSTALLATIONSDATEI

Einstellungen werden in die Installationsdatei geschrieben und dann von tazinst für eine automatisierte Installation verwendet. Der Standardname der Datei ist ./tazinst.rc; optional kann ein anderer Dateiname als Parameter angegeben werden. Die Installationsdatei ist in sich dokumentiert. Das Kommando clean löscht diese Datei.

SYSTEMDATEI

Die Konfigurationsdatei /etc/slitaz/tazinst.conf ermöglicht es, die Voreinstellungen von tazinst zu ändern, wenn eigene Voreinstellungen verwendet werden sollen.

Alle Einstellungen können angepasst werden. Wenn eine Einstellung in der Datei fehlt, kann der Name der Einstellung (in Großbuchstaben) mit einem neuen Wert einfach in die Datei eingefügt werden.

Beispiel:

Wenn SliTaz immer über das Netzwerk aus demselben ISO-Abbild installiert werden soll, kann man die folgenden Werte ändern oder einfügen:

MEDIA="web"
SOURCE="stable"

PROTOKOLLDATEI

Die Datei /var/log/tazinst.log enthält ein Protokoll des Installationsvorgangs. Das Kommando clean löscht diese Datei.

BETREUER

Christophe Lincoln <pankso at slitaz.org>
Dominique Corbex <domcox at slitaz.org>